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Cuatro Puertas - die vier magischen Tore der kanarischen Ureinwohner

Zwischen den Städten Telde und Ingenio findet sich auf Höhe des Flughafens auf der Landstraße GC-100 bei Kilometerstein 13 die Montaña de las Cuatros Puertas, zu deutsch: der Berg der Vier Tore. Hinter zwei ärmlich wirkenden Häuserreihen ragt ein knapp 320 Meter hoher Berg hervor, der von weitem unscheinbar und grau aussieht. Nichts deutet darauf hin, dass sich hier eine archäologische Stätte befindet. Doch geht man nur wenige hundert Meter zu Fuß den Berg hinauf, sieht man das Eingangstor und die große Informationstafel.

Der erste Weg führt rechts hinauf zu der bekannten Höhle mit den vier rechteckigen Felsenöffnungen, hinter denen sich eine kleine steinerne Halle befindet. Einst haben hier die Guanchen, die Ureinwohner Gran Canarias gestanden und - so vermutet man - ihren König, den guanarteme aufgesucht, der sich in diesem steinernen Raum mit dem Priester und den Adeligen beriet. Das Betreten der Höhle hat etwas ehrfürchtiges, bedenkt man, dass sie vor vielen Jahrhunderten von einem Naturvolk mit den einfachsten Steinwerkzeugen ausgehauen wurde. Metallverarbeitung war den Guanchen unbekannt, sie nutzten tabonas, kleine Steinmesser, die neben der Werkzeugfunktion auch als Waffe genutzt wurden. Vor der berühmten Höhle mit ihren vier Toren erstreckt sich ein runder ebener Platz. Dieser wurde vermutlich einst als tagador genutzt, als Versammlungsort der Könige und Adeligen. Hier wurde der König gewählt und wichtige Entscheidungen verkündet.

Steigt man direkt über der Höhle den Berg weiter hinauf, erreicht man die Spitze des Berges und eine Kultstätte der Altkanarier. Eine halbrunde Rinne und verschiedene Vertiefungen ergeben ein mystisches Bild. Historiker glauben, dass durch diese Rinnen Milch oder Tierblut liefen - ein Opferritual längst vergangener Zeiten. Die einstigen Guanchen-Priester, genannt faycáns, hatten harimaguadas bei sich, Tempelmädchen und Seherinnen, die ihnen bei rituellen Handlungen zur Hand gingen. Sie glaubten an einen mächtigen männlichen Gott namens aborac oder acoran und fürchteten den Dämon aus der Unterwelt. Vielleicht wurde auf dieser Bergspitze aborac um Schutz vor diesem Dämon gebeten, der die Ernten zerstört und Unglück über die Gemeinschaft bringt.

Nun führt der Weg zurück zum Eingang und links um den Berg herum. Hier befindet sich der Eingang zu den Wohnhöhlen der Guanchen. Eine große, beeindruckende Höhle erwartet die Besucher. Erstaunlicherweise endet hier die Tour der meisten Touristen. Doch der wahre Schatz befindet sich hinter einem kleinen Felsen, über den man leicht hinüberklettern kann und auch darf. Ein über 1000 Jahre alter Weg führt nun entlang der Hänge des Berges bis das Höhlendorf der kanarischen Ureinwohner erreicht ist. Hier lebten die großen, meist blonden Guanchen, schliefen in diesen Höhlen auf Fellen, töpferten ihre reich verzierten Keramiktöpfe, die gánigos und lagerten in diesen Höhlen vermutlich auch ihre Vorräte. Steingänge und -bögen, Höhlen mit kleinen Steinfenstern und ein imposanter Ausblick bis zum Meer versetzen den Besucher ins Staunen.

Kinder ab 8 Jahren haben sicherlich viel Spaß daran von Höhle zu Höhle zu klettern und den einstigen Wohnort der Altkanarier selber zu entdecken. Für Personen, die nur eingeschränkt beweglich sind, wie auch für Kleinkinder ist die letzte Erkundungstour nicht zu empfehlen, da der Bereich der Wohnhöhlen nicht ausreichend gesichert ist und es leicht zu Stürzen kommen könnte.

Cuatros Puertas ist täglich geöffnet,
allerdings nur am Vormittag zwischen 09:00 und 13:00 Uhr.

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